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  Meeresschildkröten

Meeresschildkröten

 

Früher lebten an nahezu allen wärmeren Küsten große Zahlen von Meeresschildkröten. Diese Bestände wurden von Küstenvölkern bejagt, das Schildkrötenfleisch gegessen und einige Panzerteile, wie das Schildpatt (hübsch gezeichnete Hornplatten des Carapax der Echten Karette) beispielsweise zu Schmuck weiterverarbeitet. Diese Jagd gefährdete den natürlichen Bestand dieser Arten nicht, da sie ohnehin fast ausschließlich auf den Eigengebrauch beschränkt war. Der Meeresschildkrötenbestand wurde erst ab dem Ende des 19. Jahrhunderts durch die industriemäßige Verarbeitung der Meeresschildkröten stark gefährdet. So kam es zu einer starken Dezimierung der Meeresschildkrötenbestände.
Es gibt sieben rezente Meeresschildkrötenarten:
  • Gewöhnliche Suppenschildkröte (Chelonia mydas)
    • atlantische Unterart: Chelonia mydas mydas
    • pazifische Unterart: Chelonia mydas japonica
  • Australische Suppenschildkröte (Chelonia depressa)
  • Falsche Karettschildkröte (Caretta caretta)
  • Echte Karette (Eretmochelys imbricata)
  • Karibische Bastardschildkröte (Lepidochelys kempi)
  • Gewöhnliche Bastardschildkröte (Lepidochelys olivacea)
  • Lederschildkröte (Dermochelys coriacea)
Die erstgenannten sechs Arten besitzen eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Der Panzer dieser Arten ist oval und abgeflacht. Die Größe schwankt zwischen 0,6 und 1,4 m. Der Panzer dieser sechs Arten ist von Hornschuppen bedeckt und ihre, zu flachen Ruderfüßen ausgebildeten, Extremitäten besitzen einzelne Krallen. Die Weichteile sind von einer dicken, strukturierten Haut mit Hornschuppen bedeckt. Bei all diesen Arten ist die Fähigkeit den Kopf unter dem Panzer zu bergen verloren gegangen, so dass sie sich bei Gefahr aktiv verteidigen. Zu den angesprochenen Merkmalen kommen noch weitere Übereinstimmungen hinzu, so dass diese sechs Meeresschildkröten zu der Familie der Cheloniidae (Meeresschildkröten) zusammengefasst werden können.
Eine Sonderstellung unter den Meeresschildkröten nimmt die, von den ersten sechs Arten stark abweichende Lederschildkröte ein. Sie besitzt einen bis zu 2 m langen, stromlinienförmigen Panzer mit Längskielen (Tafel 14). Das Gewicht dieser größten, aller rezenten Schildkröten, liegt zwischen 350 und 500 Kilogramm. Junge Lederschildkröten besitzen eine von Hautknochen gebildete mosaikartige Panzeroberfläche. Bei ausgewachsenen Lederschildkröten ist der gesamte (!) Körper von einer schwartenartigen Haut ohne Hornplatten oder Schuppen bedeckt. An den Gliedmaßen besitzen Lederschildkröten keine Krallen. Im Bau des Kopfes unterscheiden sich die Lederschildkröten durch ihren eigentümlichen Hakenschnabel, sowie eine andere Augenstellung von den übrigen Meeresschildkröten. Besonders groß ist der Unterschied zwischen Lederschildkröte und den anderen sechs Arten im Skelettaufbau. Wegen diesen Unterschieden ist es nicht verwunderlich, dass die Lederschildkröte einer eigenen, nur von ihr besetzen Familie (Dermochelydidae) zugeordnet wird. So besitzt die Lederschildkröte einen außerordentlich stark reduzierten Knochenpanzer. Vom Carapax sind nur noch die Nackenplatte und sehr schmale Rippenplatten erhalten geblieben. Der Bauchpanzer besitzt zwar die typischen Knochenelemente, diese sind jedoch ebenfalls zu schmalen Knochenspangen reduziert. Ernähren tun sich alle Meeresschildkröten sowohl von pflanzlicher als auch von tierischer Nahrung. Als Pflanzennahrung werden dabei meist Tange verspeist, während als Beutetiere Krebse, Quallen, Muscheln, Schnecken und Stachelhäuter aber auch Fische erlegt werden.
Die Arten der Cheloniidae bevorzugen als Lebensraum seichte Küstenregionen der wärmeren Zonen. Die einzige Meeresschildkröte, welche das offene Meere bewohnt, ist die Lederschildkröte. Der Wärmebedarf ist bei den einzelnen Meeresschildkröten unterschiedlich. Die Unechte Karette und die Lederschildkröte sind bezüglich der Temperatur am wenigsten anspruchsvoll, während die Echte Karette ausschließlich in recht warmen Gewässern lebt. Auch die Meeresschildkröten genießen, wie alle Schildkröten, die wärmenden Strahlen der Sonne. Um sich zu sonnen lassen sich die Meeresschildkröten einfach bei ruhiger See an der Oberfläche treiben. Ihren ohnehin geringen Schlafbedarf decken die Meeresschildkröten ebenfalls auf diese Weise. Meeresschildkröten besitzen wenige natürliche Feinde. Zu ihren Feinden zählen Orkas sowie einige Haiarten. Gelegentlich gelingt es auch einem Schwarm größerer Raubfische eine Meeresschildkröte zu erbeuten.
Die Tiere einiger Populationen der gemäßigten Gewässer scheinen, statt in wärmere Regionen abzuwandern, während des Winters in eine Art Kältestarre zu verfallen und so auf dem Meeresgrund auszuharren. So wurde dieses Verhalten zumindest bei Suppenschildkröten vor Kalifornien beobachtet.
Meeresschildkröten besitzen einen überaus guten Orientierungssinn und ein starkes Wanderverhalten. Bei ihren Wanderungen legen Meeresschildkröten oft tausende von Kilometern zurück. So wurde eine markierte Lederschildkröte 5900 km von ihrem, vor zwei Jahren aufgesuchten Nistplatz wieder aufgefunden. Außerdem sind die Tiere der einzelnen Arten nicht nur an einem Nistplatz anzutreffen, sondern eine Art besitzt in der Regel mehrere Niststrände an warmen Küsten. Die Karibische Bastardschildkröte weicht von dem üblichen Wanderverhalten ab. So verlassen die Schildkröten die Karibik nur in Ausnahmefällen, außerdem benutzt diese Art nur einen Niststrand zur Eiablage. Ebenfalls auf ein kleineres Areal begrenzt ist die Australische Suppenschildkröte, welche im Seegebiet der Nordküste Australiens lebt.
Die Meeresschildkröten können pro Tag recht große Strecken zurücklegen. Dabei bewegen sie ihre Vordergliedmaßen langsam auf und ab, wodurch es aussieht, als würden die Schildkröten fliegen. Diese Ruderschlagbewegung ist eine Besonderheit der Meeresschildkröten, im Vergleich zu anderen (süß)wasserbewohnenden Arten, welche sich beim Schwimmen mit den Hintergliedmaßen abstoßen. Lediglich einige Flussschildkröten zeigen einen Übergang der Fortbewegung von den Hinter- zu den Vordergliedmaßen, welcher jedoch noch nicht vollständig abgeschlossen ist. Mit ihrer Ruderschlagbewegung legen die Schildkröten teilweise 100 km am Tag zurück. So legte eine beobachtete Gewöhnliche Bastardschildkröte in 23 Tagen 1900 km zurück. Während ihrer weiten Wanderung orientieren sich die Schildkröten am Verlauf der Sonne und an anderen Artgenossen. So treffen die Schildkröten schließlich wieder an ihren bekannten Niststränden ein, wobei sich die Ankunft der Weibchen über einen längeren Zeitraum vollzieht. Die Männchen sind in der Regel bereits an den Nistplätzen angekommen. Die Zahl der vorhandenen Männchen ist dabei geringer als die der Weibchen. Unmittelbar nach der Ankunft der Weibchen kommt es zur Kopulation, welche sechs Stunden dauern kann. Vor oder während der Kopulation kommt es meist zu Bissen des Männchens in den Panzerrand des Weibchens, wodurch dieser stark ramponiert werden kann. Das Weibchen muss während der Kopulation sich bemühen, an der Wasseroberfläche Luft zu holen, was durch das aufgerittene Männchen, welches meist zumindest zeitweilig aus dem Wasser ragt, deutlich erschwert wird (Tafel 13). Bei der Paarung und der darauffolgenden Eiablage sind die Schildkröten besonders stark der Gefahr ausgesetzt, von anderen Tieren, wie Walen, erbeutet zu werden.
Während die Paarung oft tagsüber erfolgt, gehen die Weibchen zur Eiablage ausschließlich in der Dämmerung und Nachts an Land. Um ihre Eier abzulegen, robben die Weibchen soweit an den Strand, dass sie außerhalb der Gezeitenzone sind (Tafel 14). Dort heben sie zuerst eine flache Mulde aus. Anschließend graben sie mit ihren Hintergliedmaßen eine 30 bis 70 cm tiefe Grube.
In diese Grube werden die Eier in der Regel einzeln, unter Zuhilfenahme der Beine als Gleitbahn hinabgelassen. Das Legen dauert zwischen 15 und 30 Minuten. In dieser Zeit legen die Weibchen 90 bis 150 Eier in die Grube. Die Eier sind 42 bis 54 mm groß. Nachdem die Eier abgelegt sind, schütten die Weibchen ihre ausgehobenen Gruben wieder zu, so dass sich die Ablageplätze kaum noch von der Umgebung unterscheiden. Dieser Vorgang wiederholt sich bei den Weibchen im Schnitt drei bis viermal, so dass insgesamt rund 400 Eiere pro Weibchen gelegt werden. Nach dem Zuschütten der Grube robben die Weibchen sofort wieder ins Wasser. Einige Weibchen sind von dem Legeakt so geschafft, dass sie das Wasser erst zur Morgendämmerung wieder aufsuchen können.
Die Eier sind bereits während und auch nach dem Legen einer Reihe von Feinden ausgesetzt. So fressen die mexikanischen Kojoten die Eier der Karibischen Bastardschildkrötenweibchen teilweise noch vor dem Zuschütten der Grube – sozusagen hinter dem Weibchen – weg. Außerdem buddeln Kojoten, Hyänen und Hunde Meeresschildkröteneier aus, um sie zu verspeisen.
Das Schlüpfen der Schildkröten dauert je nach Art und äußeren Bedingungen 67 bis 72 Tage. Die Maße der Jungtiere liegen zwischen 45 mm (Caretta caretta) und 60 mm (Dermochelys coriacea). Die schlüpfenden Schildkröten verlassen ausschließlich in der Dunkelheit den Sand, um den gefährlichen Weg ins Wasser anzutreten. Die Richtung des Wassers nehmen sie dazu über ihre Augen wahr, da das Meer auch nachts heller als Land ist. Am Strand und im angrenzenden Wasser lauern während der Schlupfzeit viele verschiedene Fressfeinde auf ihre Beute, wie Möwen, Raubvögel, Krabben und Raubfische. Die Schildkröten welche es unbeschadet ins Meer geschafft haben, zehren einige Tage von ihrem Dottersack, während sie zum Teil weit entfernte Nahrungsgründe aufsuchen. Ist der Dottervorrat aufgebraucht, bevor die Schildkröten Nahrungsplätze erreicht haben, beginnt ein Zwangsfasten, welches etliche Schildkröten nicht überstehen. So kann man davon ausgehen, dass nur ein bis drei Schildkröten oder sogar weniger pro Gelege erwachsen werden und somit die Geschlechtsreife erreichen. Die Zeit bis zur Geschlechtsreife dauert bei Meeresschildkröten mindestens 15 bis 20 Jahre. Bei den Suppenschildkröten von Hawaii konnte man aus Beobachtungen sogar auf 50 Jahre bis zum Erreichen der Geschlechtsreife schließen.
 
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